Insight

Die ersten 100 Tage bei der FABRI

31.03.2022

Am 21.12.2021 hat die FABRI Gruppe die Heger Energietechnik GmbH aus Großostheim bei Aschaffenburg als Partner dazu gewonnen. Nach den ersten 100 Tagen bei der FABRI haben wir mit Andreas Heger über seine Erfahrungen gesprochen.

Christina Happich: Herr Heger, lassen Sie uns kurz einen Rückblick wagen. Sein Lebenswerk verkauft man nur einmal im Leben. Wie kam es dazu, dass Sie sich für die FABRI Gruppe entschieden haben?

Andreas Heger: Der Grund für die Entscheidung Teil der FABRI Gruppe zu werden, war ganz klar das Konzept. Die Firmen arbeiten weiterhin als eigenständige Einheit, behalten Ihre Namensgebung und ermöglichen gleichzeitig einen Wissenstransfer untereinander. Dazu war mir sehr wichtig, dass das Ganze eine langfristige Sache ist. Andere Kaufinteressenten haben mir in den Gesprächen ziemlich schnell mitgeteilt, dass sie in absehbarer Zeit die gekauften Unternehmen wieder gewinnbringend weiter veräußern wollen. Das kam für mich nicht in Frage. Für meine Mitarbeiter ist mir wichtig, dass sie eine entsprechende Kontinuität haben – dass es einfach so weitergeht, wie sie es über die letzten Jahre und Jahrzehnte gewohnt sind. Schließlich bleibe ich noch in der Geschäftsleitung und kann nur mit einem Team arbeiten, welches auch zum Unternehmen und deren geschäftlicher Ausrichtung steht.

CH: Sie haben Ihren Mitarbeitern relativ rasch die Veränderung mitgeteilt. Wie haben Ihre Mitarbeiter das aufgenommen? Gab es viele Fragen zu klären?

AH: Es war mir eine Herzensangelegenheit, meinen Mitarbeiter die Entscheidung persönlich mitzuteilen. Natürlich war erst mal Stille im Raum und in den Gesichtern eine gewisse Skepsis zu sehen. Da ich aber auch schon über 50 bin, konnten meine Mitarbeiter meine Entscheidung nachvollziehen. Nicht zuletzt bedeutet die Entscheidung für die Mitarbeiter auch eine Sicherheit, dass nach meinem Ausscheiden aus dem Unternehmen – irgendwann in den nächsten 10 Jahren – dieses weiterhin Bestand und Zukunft hat. Alle gestellten Fragen konnten sofort geklärt werden, alle Mitarbeiter sind weiterhin mit im Boot.

CH: Jetzt sind die ersten 100 Tage bei der FABRI Gruppe vorbei. Herr Heger, fühlen Sie sich weiter wohl mit Ihrer Entscheidung aus dem Dezember? Was hat sich an Ihrem Arbeitsalltag mit der FABRI?

AH: An meinem Arbeitsalltag hat sich aktuell nichts geändert. Persönlich freue ich mich, diese Entscheidung getroffen zu haben und dieses nicht Jahre vor mir herschiebe. Auch die Rückmeldung von selbstständigen Kollegen, die mich bewundern und zu meiner Entscheidung beglückwünscht haben, haben mich wieder bestätigt das Richtige getan zu haben.

CH: Die Solarbranche erlebt einen Boom: schon 2021 war die Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien nachgefragt, die Energiekrise lässt die Nachfrage nach Solarspeichern noch mehr steigen. Wie gehen Sie aktuell mit dem wachsenden Interesse und der gestiegenen Nachfrage nach Solarenergie um?

AH: Bereits 2019 haben wir gespürt, dass unsere Branche wieder Rückenwind bekommt. Durch die teilweise massiv gestiegen Energiekosten und die aktuelle Ukraine-Krise werden wir praktisch mit Anfragen überrannt. Hier versuchen wir durch Ausbau unserer Kapazitäten in der Projektplanung und Montage mitzuwachsen. Klarer Focus ist bei uns allerdings: „Qualität hat Vorrang vor Quantität“ – im Zweifelsfall müssen wir eben auch Aufträge absagen.

CH: Schauen wir mal in die Zuk unft. Wie sehen die nächsten 100 Tage oder sagen wir mal, die nächsten 12 Monate aus? Welche Herausforderungen sehen Sie?

AH: Lieferengpässe sind aktuell ein großes Thema. Wir haben darauf schon 2021 reagiert und die Materialmengen, die wir 2022 benötigen, vorbestellt. Dies führt zumindest dazu, dass wir unsere Projekte noch einigermaßen vernünftig abwickeln können. Ich befürchte, dass uns dieses Problem aber noch mindestens bis Mitte 2023 treffen wird. Eine gute Lieferantenbeziehung ist hier absolut wichtig.

CH: Wie sieht es mit dem allgemeinen Fachkräftemangel aus? Welchen Weg gehen Sie um gute Mitarbeiter / Auszubildende zu finden und für den Job zu begeistern?

AH: Auf dem freien Markt gute Mitarbeiter zu finden ist schwierig. Viele haben Angst in die Solarbranche zu wechseln, da der Bereich doch mit den Jahren sehr komplex geworden ist. Seit 1994 bilden wir junge Leute als Elektriker aus, hier gehen wir z.B. in die Schulen, bieten Praktikumsplätze an und wählen sogar die persönliche Ansprache, wenn wir merken das jemand für unseren Beruf geeignet ist. Gerade junge Leute interessiert es hierbei, ob ein Betrieb auch digital aufgestellt ist.

CH: Was motiviert Sie persönlich jeden Tag aufzustehen und „zu schaffe“?

AH: Der Spaß an der Arbeit und das Team, mit dem ich jeden Tag arbeiten kann. Auch der Zuspruch und die positiven Rückmeldungen unsere Kunden oder Kollegen sind für mich der Ansporn des täglichen „Schaffens“. Seit Jahren aktiv an der Energiewende mitzuarbeiten macht mich Stolz und sind ein Antrieb.

CH: Herr Heger, vielen lieben Dank für diesen spannende Rück- und Ausblick. Wir sind sehr froh, dass Sie Teil der FABRI Gruppe sind.